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„Der deutschen Bauindustrie fehlen Leute mit Digitalkompetenzen

Der Fachkräftemangel bleibt ein drängendes Problem im Mittelstand der Baubranche: 17.183 Stellen sind laut HDB (Hauptverband der Deutschen Bauindustrie) weiter unbesetzt. Auch hier kann Digitalisierung weiterhelfen, sagt Joaquín Díaz, Professor für Bauinformatik an der Technischen Hochschule Mittelhessen im Interview mit RIB. 

Wenn die Unternehmen der Baubranche jetzt nichts tun um attraktiver zu werden, stehen sie in wenigen Jahren ohne qualifizierte Mitarbeiter da. Schon allein deshalb muss die Baubranche digitaler werden. Warum neue Software - vor allem im Mittelstand - bei dieser Herausforderung maßgeblich unterstützen kann, erzählt einer der es wissen muss: Prof. Dr.-Ing. Joaquín Díaz beschäftigt sich seit über fünfundzwanzig Jahren mit Digitalisierung in der Baubranche. Er lehrt an der Technischen Hochschule Mittelsachsen, veranstaltet den jährlichen Kongresses Infrastruktur digital planen und bauen 4.0. und ist Vorsitzender des Bundesverbandes Bausoftware. Mit Díaz sprechen wir über Chancen für den Mittelstand und darüber, was das alles mit guten Sägen zu tun hat.  

Porträt von Prof. Dr. Joaquín Díaz
Prof. Dr. Joaquín Díaz ist Professor an der THM

RIB: Herr Professor Díaz, neue Software anzuschaffen ist eine Investitionsentscheidung. Ist die jedem mittelständischen Unternehmen möglich?

Joaquín Díaz: Software-Kosten können bei diesem Mehrwert eigentlich kein Argument sein. Auch kleine Bauunternehmen verlieren auf den Baustellen viel Zeit mit Tätigkeiten, die nicht produktiv sind, zum Beispiel mit dem Suchen von Material und Werkzeugen. Dazu im Verhältnis sind die Ausgaben für Software klein. Branchen, die stärker digitalisiert sind, sind auch profitabler, krisenfester und attraktiver für Mitarbeiter*innen. Das wissen wir schon seit Jahrzehnten und hier besteht eine große Chance für den Mittelstand  Dass Zeit für die Umstellung fehlt, kann indes auch kein Gegenargument sein. Das ist wie einen Baumstamm ewig mit einer stumpfen Säge zu bearbeiten und das damit zu begründen, man habe keine Zeit, sich um eine Neue zu kümmern. Das haut nicht hin.

Leute auf der Baustelle
Der Braubranche fehlen Leute mit Digitalkompetenzen

KMUs sind agil und können schnell erfolgreich digitalisieren

Evtl sogar Bild von Karl Gemünden
Building Information Modelling erreicht den Mittelstand immer mehr

Arbeitsprozesse werden für alle vereinfacht

Aufmaß über iTWO
Ein guter Anfang: Digitales Ausmessen spart Zeit und Aufwand

Mir der Plattform BIM Deutschland wollen wir die Digitalisierung unterstützen

RIB: Menschen, die mit stumpfen Sägen Bäume bearbeiten wollen werden ohnehin rar. Der Fachkräftemangel ist ein riesiges Problem im Bau-Mittelstand. Sie bilden junge Bauingenieur*innen mit digitalen Kompetenzen aus. Ist das eine Antwort auf das drängende Problem?

Joaquín Díaz: Ja, aber es sind zu wenige. Ich habe letztens für einen Vortrag zu diesem Thema wieder Zahlen zusammengetragen: Der deutschen Bauindustrie fehlen tausende Leute mit Digitalkompetenzen, da produziere ich leider auch nicht genug (lacht). Und die, die es gibt werden von anderen Branchen abgeworben. Das ist nämlich das nächste Problem: Der Bau ist nicht attraktiv genug. Die Chemie- oder Pharmaindustrie ebenso wie der Maschinenbau werben Leute ab. Schon allein deswegen muss die Baubranche in Sachen Digitalisierung nachlegen und so an ihrem gesellschaftlichen Ruf arbeiten, denn der ist nämlich durchwachsen und generell konservativ geprägt.

RIB: Dieser Ruf ist sicher auch durch den starken Bau-Mittelstand geprägt. Haben KMUs in Sachen Digitalisierung schlechtere Ausgangsbedingungen als große Konzerne?

Joaquín Díaz: Nein eigentlich nicht. Es stimmt, dass sich größere Unternehmen tendenziell mehr um das Thema kümmern, deswegen sind Konzerne auch stärker digitalisiert. Das muss aber nicht so sein, kleine Unternehmen können auch schnell und erfolgreich digitalisieren weil  sie nämlich sehr viel agiler sind. Die Wahrheit ist, dass viele KMUs die Chance noch nicht nutzen. Aber es gibt tolle Vorbilder: Das Unternehmen Karl Gemünden Bau aus Ingelheim am Rhein geht da zum Beispiel voran. Die digitalisieren komplett und sind damit sehr erfolgreich.

Digitalisierung im Mittelstand: das Bauunternehmen Gemünden macht es vor. Foto: Martina Pipprich

RIB: Wenn die strategische Entscheidung fällt die Digitalisierung anzupacken, ist es sehr wichtig Mitarbeiter*innen mitzunehmen. Mit welchem greifbaren Mehrwert können KMUs argumentieren?

Joaquín Díaz: Das ist richtig, Digitalisierung ist ein Gesamtpaket bei dem wirklich alle mitgenommen werden müssen. Das heißt, sowohl innerhalb der Unternehmenshierarchie als auch über die Fachbereiche hinweg, und ebenso die Geschäftspartner*innen. Das Argument ist dabei eigentlich für alle das Gleiche: Ganz normale Arbeitsprozesse werden verbessert und vereinfacht, egal ob im Büro oder auf der Baustelle. 

RIB: Und wo fängt ein Mittelständisches Unternehmen mit der Digitalisierung am besten an? 

Joaquín Díaz: Im Kopf. Man kann nicht sagen, erst muss die Software gewählt, erst Hardware besorgt oder erst das Personal ausgebildet werden, das geht alles miteinander einher. Aber es ist klug, die ganz alltäglichen Prozesse Schritt für Schritt zu digitalisieren, zum Beispiel die Aufmaße. Hier wird der Mehrwert auch schnell deutlich: Das wird händisch ständig und immer wieder gemacht, im Laufe der Planung und der Ausführung wird da bestimmt zwanzigmal ein Raum aufgemessen. Man kann das auch einfach einmal und digital machen, dann hat man den Wert im System und alle können ihn aufrufen.

RIB: Lassen Sie uns einen Blick auf die Baubranche 4.0 im Jahr 2022 werfen. Wo wird ihr persönliches Augenmerk liegen?

Joaquín Díaz: Auf der BIM Deutschland Plattform. Sie ist im Auftrag des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat sowie des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur frisch eingerichtet und bietet allen die Möglichkeit BIM und Digitalisierung in die Unternehmen zu tragen. Es ist eine Plattform, auf der Content zu Verfügung gestellt wird, der dann digital in den Unternehmen umgesetzt werden kann. Das sind beispielsweise Muster-Verträge für Auftraggeber-Informations-Anforderungen, Prozessmodelle, BIM-Modellprüfroutinen oder so genannte Anwendungsfälle. Das wird jetzt gerade fertiggestellt. Studierende, die diese Inhalte an der Hochschule erlernen, kommen dann in den Praxissemestern in die Unternehmen und können dann in diesen die Digitalisierung unterstützen. So kann man diese digitalen Inhalte in die Unternehmen transportieren. Es sind übrigens eine Menge mittelständischer Unternehmen im Begriff, die Digitalisierung zu implementieren und ich hoffe sehr, es werden noch sehr viel mehr.

RIB: Wir wünschen dem Projekt viel Erfolg! 

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